-Birken- kulinarisch

Verwendung der Birke in der Küche:

Birkenknospen und zarte Birkenblätter im Salat

So wie viele Samen oder “Unkräuter” passen auch Birkenknospen und zarte, junge Birkenblätter zu knackigen Blattsalaten. Mit einem leckeren und einfachen Dressing, wie zum Beispiel einer dickflüssigen, süßlichen Balsamico-Sauce, einer leichten Kräutersauce oder einer Sauerrahmsauce mit Zitronenmelisse kannst du nichts verkehrt machen. Wer mag, kann noch Parmesan darüber reiben oder den nussigen Geschmack mit gemahlenen Nüssen oder Sonnenblumenkernen hervorheben.

Birkenknospenöl:

1 Handvoll Birkenknospen
100 ml Pflanzenöl

Die Knospen mit dem Öl übergießen und alles an einem dunklen Ort bei Zimmertemperatur stellen. Diesen Ansatz zwei Wochen lang täglich schwenken. Das Öl eignet sich hervorragend für Salate und zum zubereiten eines Dressing.

Birkenknospen-Sauce

Diese helle, finnische Soße passt hervorragend zu vielen Gemüsesorten wie Kartoffeln oder Karotten, Lauch aber auch zu Fleisch und Fisch. Sie schmeckt eher würzig-frisch nach Dill und Gurken. Folgende Zutaten werden benötigt:

2 EL Birkenknospen
1 EL Honig
100 ml Gemüsebrühe
200 g Saure Sahne, Schmand oder Creme fraiche
1 EL Speisestärke
etwas Salz

Gemüsebrühe erhitzen, Birkenknospen und Honig hinzugeben und abkühlen lassen. Schmand oder Alternative unterrühren und mit einem Mixer zu einer Sauce pürieren. 4-5 Esslöffel abnehmen und mit der Speisestärke klumpen frei verrühren, den anderen Teil nochmal erwärmen und die Speisestärke-Mischung unter ständigem Rühren hinzufügen, mit Salz abschmecken und aufkochen, bis die Sauce angedickt ist.

Blätter auf dem Brot

Die einfachste und schnellste Art, die jungen Birkenblätter als Nahrung zu nutzen, ist sie gleich vom Baum weg zu vernaschen oder auf einem Butter- oder Käsebrot anzurichten. Außerdem bleiben so die meisten der gesunden Inhaltsstoffe erhalten.

Frühlingssalat mit Birkenblättern

1 Bund Radieschen
2 große Handvoll junge Birkenblätter
100 g Feldsalat
1 Handvoll Löwenzahnblätter
1 Handvoll Kresse
2 hart gekochte Eier
3 EL Weinessig
1 TL scharfer Senf
1TL Honig
Salz und Pfeffer
4-5 EL Pflanzenöl

Die Radieschen Knollen und Blätter waschen und klein schneiden. Alle anderen Blätter ebenfalls waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. Alles in einer Schüssel mischen und mit der Kresse bestreuen. Die gekochten Eier würfeln und in die Schüssel geben. Aus dem Senf, Honig, Essig, Öl, Salz und Pfeffer ein Dressing anrühren, alles über den Salat geben und gut durchmischen.

-Birken- In der Volksmedizin

Anwendung der Birke in der Heilkunde

Verwendete Pflanzenteile:

Knospen, Blätter, Rinde und Pflanzensaft

Inhaltsstoffe:

Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Vitamin C, Calcium, Methylsalicylsäure, Betulin

Zur Anwendung kommen sowohl der Saft des Baumes, als auch die Blätter, Knospen und die Rinde. Sie sind reich an Flavonoiden, Phenolen, ätherischen Ölen und Kalium. Die Blätter, Knospen und der Saft weisen aber auch einen beträchtlichen Anteil an Vitamin C auf. Menschen mit einer vorliegenden Nieren- oder Herzinsuffizienz sollten von der Anwendung absehen, genauso Kinder unter 12 Jahren und schwangere oder stillende Frauen.

Die Rinde besitzt aufgrund der ätherischen Öle eine entzündungshemmende, anti- infektiöse, antibakterielle und wundheilende Wirkung. Sie wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Darüber hinaus verfügt die Birke über harntreibende und entwässernde Eigenschaften, wodurch die Ausscheidung von Abfallprodukten aus dem Körper unterstützt und gefördert wird. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden zusätzlich gestärkt. Die einzelnen Bestandteile der Birke wurden oft bei Wassereinlagerungen, Cellulite, durch Gicht bedingte oder rheumatischen Schmerzen und zur Vorbeugung von Nierensteinen oder zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt.

Birkensaft:

Birkensaft oder auch Birkenwasser sammelt sich im Stamm und den Ästen einer Birke und kann im Frühjahr „gezapft“ werden. Besonders Waldarbeiter schätzten früher diese Trinkquelle und schon die alten Germanen erkannten die heilende Wirkung der hellen, farblosen Flüssigkeit.

Heute findet man Birkensaft noch häufig in Shampoos oder anderen Drogerieprodukten. Der Birkensaft wird gewonnen, indem im Frühjahr, meist im April, der Stamm oder Ast angebohrt wird. Nach einer halben Stunde ist ein Glas mit dem austretenden Saft gefüllt. Bis zu 200 Liter produziert eine Birke in einem Jahr. Man sollte jedoch nicht mehr als fünf Liter zapfen und dem Baum anschließend eine Erholungsphase von mindestens zwei Jahren gönnen.

Im Birkenwasser befinden sich sogenannte Saponine. Die sekundären Pflanzenstoffe wirken unter anderem entzündungshemmend, schleimlösend und verdauungsfördernd. Dass sie zudem harntreibend sind, macht Birkenwasser für Detox-Kuren bestens geeignet. Hinzu kommen Flavonoide, die als Radikalenfänger gelten. Und sie stärken unser Immunsystem.

Doch Birkenwasser enthält auch viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Hierunter zu finden sind Kalzium, Magnesium, Kalium, Zink, PhosphoroderEisen. Die Kombination der Mineralien macht den Saft sogar zum isotonischen Getränk.

Durch Bitterstoffe, Vitamin C und wertvolle Aminosäuren soll Birkenwasser weiterhin für reine Haut sorgen und die Haare gesünder aussehen lassen.

Blätter:

Die Blätter der Birke besitzen ähnliche Eigenschaften wie der Saft. Die frischen oder getrockneten Blätter eignen sich hervorragend um einen Tee daraus herzustellen und diesen im Rahmen einer Kur über 3 Wochen regelmäßig zu trinken. Birkenblätter und Birkenknospen wirken harntreibend und blutreinigend. Ein Tee aus Birkenblättern gilt deshalb als Mittel gegen Wasseransammlungen, Harnwegsinfekte, Hautausschläge, Rheuma und Gicht.

Birkenblätter können von März bis Juni gesammelt, an einem luftigen Ort getrocknet und in dunklen Gefäßen aufbewahrt werden. Die jungen, faserarmen und eiweißreichen Blätter passen als matt-neutral schmeckende Beigabe in Brote, Bratlinge, Saucen und Kräutermischungen. Für Rohkost-Salate sind die Blätter eine Bereicherung, z.B. zusammen mit Löwenzahn, Kresse und Feldsalat. Birkenblätter lassen sich ähnlich wie Sauerkraut einlegen und eignen sich für die Herstellung von Frischpflanzensäften sowie für kalte oder heiße Vitalgetränke.

Grundrezept für Birkenblättertee: Einen gehäuften Esslöffel getrocknete Birkenblätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und täglich drei Tassen zwischen den Mahlzeiten trinken.

Schmerzlinderndes Birkenblätter-Bad bei Rheuma: Übergießen Sie 250 g getrocknete, kleingeschnittene Birkenblätter mit zwei Litern kochendem Wasser und lassen Sie den Ansatz zehn Minuten ziehen. Gießen Sie den abgeseihten Sud in ein warmes Vollbad und baden Sie bei Gliederschmerzen 15 Minuten lang darin.

Haarkräftigende Birkenblätter-Spülung: Übergießen Sie zwei Esslöffel kleingeschnittene Birkenblätter mit einem Liter Obstessig und lassen Sie alles zwei Wochen an einem warmen Ort ziehen. Filtern Sie den Ansatz ab. Verdünnen Sie jeweils einen Teil des Birkenessigs mit drei Teilen Wasser und spülen Sie Ihre Haare nach dem Waschen damit.

Knospen:

Die Knospen werden im Frühjahr gesammelt, idealerweise noch bevor sie sich vollständig geöffnet haben. Sie kommen aufgrund ihrer harntreibenden und entzündungshemmenden Wirkung zu Einsatz, werden aber auch bei einem zu hohen Cholesterinspiegel angewandt. Die Knospen tragen die ganze Kraft des Baumes in sich und haben eine stärkende, entgiftende und ausleitende Wirkung auf unseren Körper. Einen schlimmen Husten kann man mit einem Tee aus jungen Birkenknospen stillen. Zubereitet wird er mit einem Esslöffel leicht zerdrückter Birkenknospen und 250 ml heißem Wasser. Er sollte zunächst zehn Minuten ziehen, bevor die Knospen abgesiebt werden und der heiße Auszug zur Hustenlinderung getrunken wird. Der Tee schmeckt leicht hölzern und süßlich.

Rinde:

Birkenrinde wurde schon vor Jahrhunderten als vielseitiges Baumaterial eingesetzt.  Schon seit dem Mittelalter fand sie auch als Naturheilmittel Verwendung. Eine Wunde heilt leider nicht so schnell, wie sie entstanden ist. Betulin hilft dabei, die Wundheilung schneller einzuleiten. Der Stoff ist Bestandteil der Birkenrinde und sorgt für ihre charakteristisch weiße Farbe. Die Birkenrinde steht heute erneut im Fokus, und zwar im Rahmen von Studien, die das Ziel haben, ihre Extrakte im Detail auf das medizinische Potential hin zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass Wirkstoffe aus der Birkenrinde die Wundheilung bei unterschiedlichen Verletzungen fördern, z. B. bei Gürtelrose, Verbrennungen zweiten Grades oder bei Hauttransplantationen.

Wissenschaftler haben nun im Rahmen einer aktuellen Studie die Wirkungsmechanismen auf molekularer Ebene untersucht und herausgefunden, an welchen Punkten und in welchen Stadien der Wundheilung die pflanzlichen Wirkstoffe aus der Birkenrinde wirken. Für die Untersuchung konzentrierten sich die Wissenschaftler auf sekundäre Pflanzenstoffe, so genannte pentazyklische Triterpene. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen und zum Schutz vor UV-Strahlung dienen. Für den Menschen haben solche sekundären Pflanzenstoffe häufig eine medizinische Wirkung.

Viele Triterpene wirken beispielsweise antimikrobiell. Birkenrinde kann positive Wirkungen auf trockene und geschädigte Haut entfalten. Ein besonderes Augenmerk hat sie wegen ihres möglichen Effekts gegen die sogenannte Aktinische Keratose verdient. Bei dieser Hauterkrankung handelt es sich um eine durch Licht ausgelöste Hautveränderung, bei der Hornzellen (Keratinozyten) vermehrt gebildet werden und aus der sich in den Folgejahren in 10 bis 20 Prozent der Fälle ein Hautkrebs entwickelt. Außerdem soll Birkenrinde bei Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis Linderung verschaffen können. Eine neue Studie zum Birkenkork, das ist die weiße Schicht der Birkenrinde, konnte positive Effekte auf die Wundheilung nachweisen.

-Birken- Geschichte, Magie…

Geschichte, Magie & Mythologie

Birken sind nicht nur schön anzusehende Zierpflanzen, sie liefern eine Vielfalt an Verwendungsmöglichkeiten.  Seit mehr als 50.000 Jahren entwickelten den Menschen z.B. Verfahren, Birkenpech herzustellen. Birkenpech gilt als erster systematisch hergestellter „Kunststoff“ und wurde zum dauerhaften Verbinden von Steinkeilen, Pflanzenfasern und Holzgriffen genutzt.  Aufgrund der geringen Tragkraft und Beständigkeit wird die Birke nicht als Bauholz verwendet, aber es eignet sich sehr gut für die Herstellung von Holzschuhen oder Wäscheklammern bzw. lässt sich das Holz auch gut schnitzen und drechseln. Nordische Holzschnitzer fertigen aus Birkenholz traditionelle Trinkgefäße, die Guksi.

Die Birkenrinde wird traditionell zur Herstellung von Spanschachteln eingesetzt. Durch den Trend zu Öko-Produkten leben alte Traditionen wieder auf und Vorratsbehälter, Schuhe, Schreibunterlagen oder Rucksäcke werden wieder vermehrt aus Birkenrinde hergestellt. Birkenrinde ist in zwei Schichten gegliedert, aus dem oberen Teil wird Birkenteer und Birkenöl produziert, der untere Teil ist essbar und kann wie Spaghetti zubereitet werden.

Unschlagbar für die Reinigung von grobem Pflaster sind die sogenannten „Reiserbesen“, Besen aus Ästen und Zweigen der Birke. In der finnischen und russischen Sauna werden Birkenzweige als Badequast zum Abschlagen des Körpers verwendet. Dadurch wird die Haut gut durchblutet, was auch den Reinigungsprozess des Körpers optimal unterstützt. Zu guter Letzt ist Birke auch ein beliebtes Brennholz. Dank der in der Rinde enthaltenen ätherischen Öle brennt Birkenholz sogar in frischem Zustand und ist so bestens zum Entzünden eines Feuers geeignet.

Birkenteer:

Als im Jahr 2001 zwei Steinartefakte in Campitello in Italien gefunden wurden, stand der Welt eine Sensation bevor. Auf den Artefakten wurden Reste einer schwarzen organischen Substanz gefunden, mit der die Steinkeile offensichtlich in einen Holzschaft geklebt worden waren. Eine Analyse ergab, dass es sich um Birkenteer handelt. Die Datierung der Artefakte ergab ein Alter von rund 200 000 Jahren.
Damit war erwiesen, dass Birkenteer das älteste von Menschen hergestellte Material ist und der Gebrauch von Birkenteer mehr als 100 000 Jahre bekannt war, bevor die ersten Keramiken hergestellt wurden. Bereits die Neanderthaler waren mit dem Gebrauch von Birkenteer als Klebstoff vertraut.
Birkenteer wird durch die trockene Destillation von Birkenrinde gewonnen. Dabei wird die Birkenrinde unter Luftabschluss auf ca. 350 – 500°C erhitzt. Über die Vorstufe des Birkenteers kann durch längeres Erhitzen das sogenannte Birkenpech hergestellt werden. Wichtig ist, dass als Ausgangsstoff Rinde und nicht Holz verwendet wird, da Birkenpech aus Holz nicht klebt.

Doch wie konnten die Menschen der Altsteinzeit ohne Keramikgefäße Birkenteer herstellen, wenn die Herstellung unter Luftabschluss erfolgen muss? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich 2017 ein Artikel in Nature, einer der renommiertesten Zeitschriften der wissenschaftlichen Literatur. Es wird von Versuchen einer Gruppe von Archäologen der Universität Leiden berichtet, die durch Erhitzen von gerollter Birkenrinde auf bzw. unter glühenden Kohlen Mengen an Birkenteer gewinnen konnten, die für die Schäftung von Steinwerkzeugen ausreichend waren. Damit war der Beweis erbracht, dass die Herstellung von Birkenteer auch ohne Keramikgefäße möglich ist.

Chemisch gesehen ist Birkenteer ein Gemisch aus flüchtigen Bestandteilen der Birkenrinde. Dabei sind Betulin, Betulinsäure und Lupeol, die chemisch eng verwandt sind und zur Gruppe der Terpene gehören, Hauptbestandteile. Der Nachweis von Betulin, das für die weiße Farbe der Birkenrinde verantwortlich ist, ist spezifisch für Birkenpech und das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber Teeren, die aus anderen Rindenarten hergestellt wurden.
Der Herstellungsprozess und die Verwendung von Birkenteer und verwandtem Produkten ist eine der ältesten Technologien der Menschheit und durchlief über Jahrtausende einen Entwicklungsprozess, der immer noch nicht abgeschlossen ist. Schon in der Steinzeit wurde Birkenteer nicht nur als Klebstoff verwendet. Es finden sich auch Kauspuren an Teerfundstücken, wobei nur darüber spekuliert werden kann, ob damals schon Birkenpech auch für medizinische Zwecke eingesetzt wurde. In der Antike und im Mittelalter wurde Birkenpech zum Abdichten von Schiffen verwendet. In der Neuzeit wurde Birkenteer zur innerlichen Anwendung gegen Würmer und äußerlich als Abwehrmitteln gegen Gelsen und andere Insekten empfohlen.

Derzeit kommt Birkenteer vor allem in Salben zur Behandlung von Hautkrankheiten zum Einsatz. Durch die aktuelle Forschung zur Verwendung von einzelnen Bestandteilen des Birkenteers und der Birkenrinde, könnte sich in Zukunft ein weites Anwendungspektrum ergeben. Geforscht wird vor allem zum Einsatz von Betulin in der Krebstherapie, da es bei Tumorzellen den Prozess der Apoptose, dem Zelltod, hervorrufen kann, sowie zu seiner antiviralen und entzündungshemmenden Wirkung und zum Einsatz in Biopolymeren.

„…In Europa kann man den weit verbreiteten Birkenkult darauf zurückführen, dass die Birke und die Espe die ältesten nacheiszeitlichen Bäume sind. Sie lieferten den Stämmen nach dem entbehrungsreichen harten Winter bereits im Februar, wenn die Lämmer und ersten Kälber zur Welt kamen und das Eis zu schmelzen begann, Säfte, die Träger des Lebens waren, obwohl das Wiedererwachen des Lebens sich noch vor den Augen der Menschen verbarg. Nur manchmal erblickten sie die Göttin, verjüngt aus dem schwarzen Reich zurückgekehrt in Begleitung der Hirsche, wie sie übers Land zog und an den schlafenden Bäumen rüttelte oder die in der Erde ruhenden Samen mit Leben anhauchte…“

Quelle: Der Garten der Druiden

Die Birke als Welten- Baum bei den sibirischen Schamanen gilt als Mittler zwischen den drei Welten, der Unterwelt, der Erde und des Himmels. Sie bringt die Säfte in Fluss durch ihre Nähe zum Wasserelement. Ihren Namen verdankt die Birke der altirischen Göttin Brigid, die als heilbringende Göttin und Muse der Dichter galt, aber auch als Schutzpatronin des Handwerks. Ihr zartes Wesen besitzt eine sehr lichte und leichte Ausstrahlung mit frühlingshaften Energien. So wird die Birke als Lichtbaum zum einen mit der Sonne und zum anderen mit dem Element Wasser in Verbindung gebracht, wobei letzteres damit zu tun haben könnte, dass sie auch an feuchten Standorten sehr gut gedeiht oder aber mit ihrem Saftfluss im Frühjahr, den wir uns in vielerlei Hinsicht zunutze machen können und der auch in früheren Zeiten schon verwendet wurde.

Überall wird die Birke mit Reinheit, Licht und dem Neuanfang in Verbindung gebracht. Brigit galt auch bei den Kelten als Göttin der Heiler, Muse der Weisheitssucher und der inspirierten Sänger und ihr war die Birke geweiht. Sie galt als weiße, jungfräuliche Lichtgebärerin, die im Februar die Tage wieder länger werden lässt. So zapften schon die Menschen der Frühzeit zu dieser Jahreszeit den Saft der Birke an, der harntreibend ist, die Galle entschlackt, das Blut reinigt und die Nieren stärkt.

Die slavischen und sibirischen Völker sahen in der der Birke eine schlanke, weißgefiederte Schwanenjungfrau. Manchmal kam es vor, dass Schamanen sich mit ihr vermählten. Sie glaubten, so würde die Birke ihnen die Flügel verleihen, die sie benötigen, um in andere Dimensionen zu reisen.

Bei den Germanen war die Birke der Göttin Freya geweiht, der Göttin der Wälder, der Liebe und der Ehe. Aus dieser Zeit stammt der Brauch des Maibaumes. Eine Birke wurde aus dem Wald geholt und im Dorf aufgestellt, um mit ihr den Frühling zu begrüßen. Die jungen Leute tanzten um den Maibaum und feierten ein Fest und wenn die Göttin Freya die Liebe mit einem Neugeborenen segnete, so begrub man den Mutterkuchen als Dankesopfer unter der Birke. Vielerorts wurden auch die Wiegen für die Neugeborenen aus Birkenholz geschnitzt.

Die Griechen sahen die Birke im Zusammenhang mit der Göttin Adriane, denn sie glaubten der Baum würde ihr helfen das Wissen über das Leben zu vermitteln.

Die Druiden machten die Birke zum ersten Buchstaben ihres Baumalphabetes und zum ersten Monat des Baumkalenders.

Die frühzeitlichen Völker verbanden Licht und Feuer mit der Birke, so stellten sie aus zusammengerollter, getrockneter Birkenrinde hellleuchtende Fackeln her. Auch der Zunderschwamm, der vorwiegend an Birken wächst, wurde zum Entfachen eines Feuers verwendet und es gibt kaum ein anderes vergleichbares Gewächs, dass sich so gut dafür eignet. Angekohlte Stücke des Zunderschwamms wurden bei Ausgrabungen von Menschen gefunden, die vor 10000 Jahren in Nordeuropa lebten.

Ein weiterer Pilz, der in Lebensgemeinschaft mit der Birke wächst, ist der Fliegenpilz. Es hieß die Schamanen nutzten ihn, um den Weltenbaum hinaufzuklettern, um dort die Götter und Geister zu besuchen. In Sibirien wird der Fliegenpilz auch oft als Blitzpilz bezeichnet. Dort wird er nur nachts eingenommen und soll im Inneren des Auges Lichtphänomene hervorrufen, die dem Aufleuchten von Blitzen ähneln. Deshalb war bei den Germanen die Birke nicht nur der Göttin Freya geweiht, sondern ebenso Thor, dem Donner- und Gewittergott.

Da die Birke für Reinheit steht, wurden früher heilige Orte mit Besen gefegt, die aus Birkenreisig gefertigt waren. Mit ihnen konnte man die bösen Geister hinausbefördern. Später wurde aus diesem Ritual der Hexenbesen, auf dem die Hexen zu Blocksberg fliegen konnten. Das helle Holz der Birke sollte den Hexen den Weg weisen und diesen hell erleuchten. In einigen Gegenden Englands geht man auch heute noch gegen unsichtbare Wesen mit einem Birkenbesen vor und auch zum Jahreswechsel wird das alte Jahr mit einem solchen Besen herausgefegt.

Auch für die Menschen im Mittelalter galt die Birke als Schutzbaum. Sie schmückten ihre Häuser mit Birkengrün, in dem Glauben die Birkenzweige würden sie vor Hexen und bösen Geistern und auch sonst allem schlechten behüten. Man glaubte ebenfalls man können sich auf diese Weise vor Blitzeinschlag schützen.

Birkenrinde ist eine der ältesten Papier-Vorläufer. Seit Jahrhunderten wird auf den dünnen Schichten der Birkenrinde geschrieben: In Nordrussland wurden die ältesten Dokumente aus dem zivilen Leben gefunden: In Birkenrinde geritzte Kurznachrichten mit hoher Kreativität. In den nördlichen Bergregionen Indiens ist gar eine eigene Schrift entwickelt worden, um auf Birkenrinde zu schreiben.

Auch in extremen Notsituationen wie während des 1. Weltkrieges etwa, fanden viele Feldpostkarten aus Birkenrinde ihren Weg von der Front zu den Liebsten nach Hause, die sehnsüchtig auf Nachricht warteten.

In früheren Zeiten war es vielerorts üblich, dass Krankheiten auf Bäume mit Hilfe von Sprüchen und Ritualen übertragen wurden. So auch bei der Birke. In Pommern räucherte man mit Birkenlaub, welches zu Pfingsten Haus und Stall schmückte, die Ställe aus. Das sollte vor Ungeziefer schützen. Auch gab man zerkleinerte Birkenblätter ins Futter, damit das Vieh von Krankheiten verschont bleibe. Andernorts fegte man mit einem Birkenbesen Schweinen den Rücken, damit sie nicht von Ungeziefer befallen werden.

Die angebauten Pflanzen kamen ebenfalls in den Genuss des Birken-Schutzes. Kohl hatte wohl unter verschiedenen Plagen zu leiden. Die zu Pfingsten geschnittenen Birkenzweige wurden aufbewahrt. War Unheil in Form von Raupen oder Erdflöhen im Anzug, wurden diese mit magischen Ritualen vertrieben.
Auch die Menschen erbaten sich Schutz vor Krankheit und Verzauberung von der Birke. Hier fließen die Grenzen von Heilkunde und Zauber ineinander. Der wertvolle Birkensaft etwa, der im Frühjahr gezapft wurde, erhielt durch beschwörende Worte zusätzliche Kräfte eingehaucht.

In Madaus „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1936 lässt sich ein solcher Ritualspruch finden, der lautet: „ Birkenbaum, ich schüttle dich, 77erlei Gichten quälen mich, Solang sollen sie in Dir sein verbunden, Bis meine 77erlei Gichten verschwunden.“

-Nachtkerze- Kulinarisch

Verwendung in der Küche:

Wurzeln:

Die Wurzeln kocht man wie Schwarzwurzeln oder Pastinaken in Fleischbrühe; sie werden gelegentlich auch in Scheiben geschnitten und mit Essig und Öl angemacht. Geerntet werden die Wurzeln vom Herbst des ersten Jahres (Rosettenstadium) bis zum Frühjahr. Alte Sprichwörter behaupteten, dass ein Pfund der Nachtkerzenwurzel so viel Kraft gebe wie ein Zentner Ochsenfleisch. Die Gemeine Nachtkerze zählt deshalb bis heute zu den typischen Pflanzenarten des Bauerngartens, auch wenn sie heute meist nur als Zierpflanze angebaut wird.

Die sehr schmackhaften Wurzeln können nur während der Winterruhe von November bis Ende März genutzt werden. Nur dann sind sie zart. Danach werden sie holzig, zäh und ungenießbar. Die rübenartige Wurzel besitzt eine leichte Schärfe. Im Volksmund wurde sie Schinkenwurz genannt, weil sie sich beim Garen rötlich verfärbt.

Die Wurzel der Nachtkerze steckt voller gesunder Inhaltsstoffe. Sie wird geerntet solange die Pflanze noch keinen Blütentrieb entwickelt hat. Die Wurzel wird roh verzehrt oder als Gemüse gekocht. Ebenso kann sie über einen Salat geraspelt werden.

Blätter:

Blätter der noch nicht blühende Pflanze (etwa April bis Juni) kann man, fein geschnitten, roh in Salate geben oder zu Spinat dünsten.

Blütenstängel, Blütenknospen und Blüten:

Junge Blütenstängel (etwa April bis Juni) können geschält roh gegessene oder als Pfannengemüse zubereitet werden. Blütenknospen können ebenfalls als Salatbeigabe genutzt werden, oder in Öl eingelegt als Antipasti dienen. Natürlich sind auch die Blüten selbst essbar und können somit als Dekoration für Salate und andere Gerichte genutzt werden.

Von April bis Juni können die Blütenstängel geschält und anschließend roh verzehrt werden. Sie können ebenso als Gemüse gedünstet werden.

Lege unbedingt einmal die Blütenknospen in Öl ein und verzehre sie als Antipasti. Du kannst sie von Juni bis September ernten. Sie sind eine wahre Delikatesse, können aber auch direkt dem Salat hinzugefügt werden.

Die Blüten lassen sich für Süßspeisen kandieren. Du kannst sie aber auch direkt pflücken und verzehren. Sie sind eine wunderschöne Zierde auf jedem Salat.

Früchte:

Die jungen (grünen), noch nicht zähen Früchte lassen sich im August und September wie die Blütenstängel verarbeiten und nutzen.

Samen:

Aus den Samen lässt sich Öl gewinnen. Sie können auch in Gebäcken verarbeitet werden. Werden sie direkt „genascht“ sollten sie gründlich gekaut werden, um ihr energiereiches Öl verfügbar zu machen.

Rezept für frittierte Nachtkerzenknospen

Zutaten:

  • 2-3 Handvoll geschlossene Nachtkerzenknospen
  • möglichst geschmacksneutrales Öl
  • Salz, Pfeffer
  • (optional Pfannkuchenteig)

Zubereitung:

Die länglichen Knospen können Sie vor dem Frittieren in einen Pfannkuchenteig eintauchen, aber es funktioniert auch „ganz pur“: Die Knospen ins heiße Fett geben und 1-2 Minuten frittieren. Nicht erschrecken: Sie werden beim Erhitzungsvorgang aufblühen.

Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen und als Vorspeise oder Beilage servieren.

Rezept für Wurzel-Gemüse aus Nachtkerzen

Zutaten:

  • 500 g Nachtkerzenwurzeln
  • 200 g Pastinakenwurzeln
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Kokosöl
  • 1 TL gekörnte Brühe/ Gemüsebrühe
  • 2 TL Curry
  • 150 ml Kokosmilch
  • 1 TL Sojasoße
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Bund Petersilie

Zubereitung:

  1. Wurzeln säubern, schälen und in gleichmäßige Scheiben schneiden.
  2. Kleingehackte Zwiebel im Öl kurz andünsten, Wurzeln dazugeben und 5 Minuten mitbraten.
  3. Mit Gemüsebrühe und Curry bestäuben und mit Kokosmilch und Sojasoße aufgießen.
  4. Nun 10-15 Minuten köcheln lassen, bis die Wurzeln gar sind.
  5. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Petersilie garnieren. Zu Reis servieren.

Wer das Kraut selbst anbauen und kräftige, fleischige Wurzeln erzeugen will, zieht in den Monaten April bis Mai kräftige Sämlinge in geschützter Vorkultur. Die Sämlinge werden in Abständen von 20 x 25 Zentimetern ausgepflanzt. Im Juni bis August kann aber auch direkt ins Freiland ausgesät werden. Besondere Pflegemaßnahmen sind bis zur Ernte in Herbst nicht notwendig. Das genügsame Kraut sät sich nach seiner Blüte auch leicht selbstständig aus. Die braun und trocken geernteten Samen sind lichtgeschützt und trocken lagerfähig.

Nachtkerzenwurzelsuppe

  • 30 g Süße Sahne
  • 1 Eigelb
  • 200 g Rapontikawurzeln
  • 1o g Butter
  • 10 g Mehl
  • Zitronensaft
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskat

Die Rapontikawurzeln waschen, säubern, schälen und abspülen. Anschließend in kleine Stücke schneiden und in kochendem Wasser mit etwas Salz und Muskat so lange kochen, bis sie weich sind. Nun aus der Brühe nehmen. Aus Butter und Mehl eine helle Mehlschwitze bereiten und mit der Wurzelbrühe auffüllen. Gut durchkochen lassen. Die
Suppe nach dem Kochen mit Eigelb und Sahne abziehen. Dann die Wurzelstücke hinzugeben und mit etwas Zitronensaft und Pfeffer abschmecken.

-Nachtkerze- In der Volksmedizin

Anwendung in der Heilkunde:

Als Heilpflanze ist die Nachtkerze vor allem bei den indigenen Einwohnern Nordamerikas schon lange bekannt: Sie nutzten sie zur Linderung von zum Beispiel Hautausschlägen oder Frauenleiden. Die Samen der Nachtkerze enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E, daneben 60 bis 80 Prozent Linolsäure sowie rund 10 Prozent Gamma-Linolensäure. Die wertvollen Nachtkerzenöle werden durch Kaltpressung der Samen gewonnen. Nachtkerzenöl hat sich vor allem zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen wie Neurodermitis bewährt.

Äußerlich angewendet wirkt es entzündungshemmend und juckreizmindernd. In Form von Kapseln nimmt man es zur Vorbeugung von Arterienverkalkung, bei Allergien, Arthritis sowie bei Darmerkrankungen ein. Ein Tee aus getrockneten Blättern hilft bei Durchfall, Magen-Darm- und Verdauungsbeschwerden. Übergießen Sie für einen Tee einen Teelöffel getrockneter Blätter mit einem halben Liter Wasser und lassen Sie den Tee zehn Minuten ziehen. Anschließend gilt es, die Blätter abzuseihen und den Tee über den Tag verteilt zu trinken.

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzeln, Blätter, Blütenstängel, Blütenknospen, Blüten, Früchte, Samen

Inhaltsstoffe:

In den Blättern: Flavonoide, Oenotherin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Zucker, Harz und Phytosterole. In den Samen: Öl & Fettsäuren.

Eigenschaften:

beruhigend, blutreinigend, entspannend, entzündungs­­hemmend, krampflösend

Anwendung bei:

Akne, Arthritis, Asthma, Bluthochdruck, Ekzeme, entzündete Gelenke, hohe Cholesterinwerte, Husten, Leberschäden, Magen-Darmerbeschwerden, Neurodermitis, prämenstruelles Syndrom

Berühmt geworden als Medizin, ist die Nachtkerze allerdings erst in der Neuzeit, als man im ölhaltigen Samen die wertvolle Gamma-Linolensäure entdeckte. Das Nachtkerzenöl enthält etwa 10 Prozent davon. Keine andere Pflanze hat einen so hohen Anteil. Die essentielle Gamma-Linolensäure ist im Körper an der Bildung hormonähnlicher Substanzen (Prostaglandine) beteiligt.

Aus diesem Grund entfalten sie vielseitige gesundheitliche Wirkungen: Sie unterstützen das Immunsystem und bewirken eine Senkung des Cholesterinspiegels. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und blutdrucksenkend. Deshalb nutzt man das Nachtkerzenöl äußerlich und innerlich bei Neurodermitis, rheumatischen Beschwerden, Prämenstruellem Syndrom, bei Wechseljahresbeschwerden sowie zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßerkrankungen.

Zu Heilzwecken werden insbesondere die Samen verwendet. Sie enthalten zehn Prozent Gamma-Linolensäure, damit gehört die Nachtkerze zu den Hauptlieferanten dieser wertvollen, mehrfach ungesättigten Fettsäure.

Gamma-Linolensäure hat vielfältige positive Wirkungen auf den Körper, unter anderem wirkt sie entzündungshemmend und blutreinigend, unterstützt das Nervensystem und hilft bei Arteriosklerose und Hautproblemen.

Die Samen werden einfach, wie oben beschrieben, verzehrt. Mit Hilfe einer Ölpresse kann man das wertvolle Nachtkerzenöl aus den Samen pressen, dieses Öl findet auch in der Kosmetik Verwendung.

In der Naturheilkunde hat heute vor allem das Nachtkerzenöl eine Bedeutung. Dieses aus den Samen gewonnene Öl wird zur Behandlung und zur symptomatischen Erleichterung bei Neurodermitis innerlich eingesetzt. Es wird in der Naturheilkunde außerdem bei Asthma, Heuschnupfen, Bluthochdruck, Migräne und Rheuma angewendet. Das Nachtkerzenöl kann auch bei Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden genutzt werden um die Symptome zu lindern. Ein weiteres Einsatzgebiet stellt die Haustierpflege dar. Hautreizungen und Haarausfall können bei Fellproblemen ebenfalls mit dem Öl behandelt werden.

Die Blätter können innerlich als Tee oder Gemüse oder äußerlich als Kompresse angewendet werden. Gepflückt werden sollten sie von April bis Juni, solange die Pflanze noch nicht blüht.

Die Blätter wirken gegen Keuchhusten, Asthma und Magen-Darm-Erkrankungen.

Nachtkerzentinktur

  • Schraubglas
  • Blätter
  • hochprozentiger Alkohol

Zerkleinere die Blätter und gib sie in ein Schraubglas, bis dieses zur Hälfte gefüllt ist. Fülle das Glas anschließend mit dem Alkohol (Wodka, Doppelkorn oder Weingeist) auf bis die Blätter gut bedeckt sind. Lasse die Tinktur nun 6 Wochen an einem warmen Ort ziehen, seihe sie hernach ab und lagere sie kühl in dunklen Flaschen. So hält sie sich gut bis zur Ernte im nächsten Jahr.

Für die Kompresse verdünne die Tinktur mit Wasser und lege sie anschließend auf den betreffenden Bereich, zum Beispiel bei Unterleibsschmerzen auf.

Eine Tinktur lässt sich besser dosieren als ein Tee. Ihre Wirkung ist zudem stärker. Nur wenige Tropfen genügen. Nimm bei regelmäßigen Menstruationsbeschwerden dreimal täglich 3-4 Tropfen in Wasser verdünnt ein. Beginne 10-14 Tage vor der Menstruation. Bei unregelmäßiger Menstruation, zu Beginn, in und nach den Wechseljahren nimm die Tropfen zyklisch ein. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel die Tropfen dann immer 2-3 mal (10 – 50 Tropfen je nach Stärke der Beschwerden) täglich vom 10. bis zum Ende des Monats einzunehmen.

Rezept für Nachtkerzenöl 

Mit diesem Verfahren können Sie das wertvolle Öl der kleinen Nachtkerzensamen selbst herstellen. Das Öl wirkt entzündungshemmend, juckreizstillend und hautregenerierend. Das Öl kann sehr sparsam eingesetzt werden, indem man die betroffenen Hautstellen betupft und dann leicht einmassiert. Für die innerliche Einnahme können Sie es teelöffelweise in Salatsoßen, Müsli oder Quarkspeisen mischen.

Zutaten

  • 20 ml Sesamöl oder Mandelöl
  • 6 g Nachtkerzensamen

Zubereitung

Zunächst müssen Sie Nachtkerzensamen kaufen oder selbst sammeln. Die kleinen braun-schwarzen Samen können im Herbst recht schnell geerntet werden, denn in einer Kapsel befinden sich davon bis zu 300 Stück. Ernten Sie die Kapseln, wenn sie sich gerade öffnen und trocknen Sie sie auf der Heizung etwas nach. Dann die Samen aus den Kapseln herausklopfen. Am besten Sie geben den Samen in einen Mixer oder Mörser und pulverisieren ihn. Dann wird er gleich mit dem Öl vermischt. Es ist auch möglich, ihn zusammen mit dem Öl zu mixen. Öl und Samen werden nun im Wasserbad auf 50° C erwärmt und 2 Stunden lang ausgezogen. Dann durch ein sehr feines Sieb oder Filterpapier laufen lassen und in kleine dunkle Tropffläschchen füllen. Kühl gelagert hält sich das Öl 3 Monate.

Hautpflegeöl

Zutaten:


25 ml Mandelöl
25 ml Nachtkerzenöl
8 Tropfen ätherisches Zitronenöl
4 Tropfen ätherisches Orangenöl

Zubereitung:

Eine dunkle 50 ml Flasche zur Hälfte mit Mandelöl füllen und mit dem Nachtkerzenöl voll machen. Die ätherischen Öle für einen angenehmen, frischen Duft dazu tropfen. Abschließend die Flasche gut verschließen und mehrmals hin- und herschwenken, damit sich alles gut durchmischt.

Diese Ölmischung eignet sich zur Pflege trockener Haut nach dem Duschen oder Baden. Am besten in die noch leicht feuchte Haut einmassieren.

Nachtkerzensalbe:

Zutaten:

20 ml Nachtkerzenöl (wer möchte kann auch noch Ringelblumenöl dazugeben)
10 ml Mandelöl
15 g Sheabutter
15 g Bienenwachs
20 ml destilliertes Wasser (noch besser wäre ein Quellwasser)

Zubereitung:

Das Bienenwachs zusammen mit den Ölen über Wasserbad langsam schmelzen lassen. Danach die Sheabutter dazu und wenn alles geschmolzen ist mit einem Milchaufschäumer das Wasser (Zimmertemperatur) in die Fettphase einrühren. Am besten im kalten Wasserbad solange rühren bis eine Creme entstanden ist. Nun die Creme in einen sauberen Tiegel füllen, mit Herstellungsdatum versehen und kühl und trocken aufbewahren. Im Kühlschrank hält sich die Creme noch länger.

-Nachtkerze- Geschichtliches…

Carl von Linné veröffentlichte 1753 den heute akzeptierten botanischen Gattungsnamen Oenothera, der sich von den griechischen Worten oinos οῖνος für „Wein“ und thēr ϑήρ für „Tier“ ableitet. Zuvor hatten mit dem Namen Oenothera antike und mittelalterliche Autoren wie Plinius der Ältere und Paracelsus vermutlich die ebenfalls zur Familie der Nachtkerzengewächse zählenden Weidenröschen (Epilobium) bezeichnet (die nordamerikanische Gattung der Nachtkerzen konnten sie noch nicht kennen). Sie waren der Meinung, dass Pflanzenteile dieser Pflanzenarten mit Wein genossen die Menschen heiter und wilde Tiere sanft machten. Das Artepitheton biennis weist auf die Zweijährigkeit von Oenothera biennis hin.

Die Nachtkerze trägt ihren Namen zu Recht. Ihr aufrechter Wuchs erinnert an eine Kerze und eben wie eine Kerze, hat sie ihren größten Auftritt in der Dunkelheit. Sie gehört zu den Nachtblühern, dass bedeutet ihre Blüten öffnen sich mit abnehmendem Sonnenlicht. Diese sind recht kurzlebig und schon am nächsten Mittag wieder verblüht. Dafür entwickeln sich an der Rispe stetig neue Blüten, so dass die Pflanze den ganzen Sommer hindurch, von Juni bis September, ein Blickfang ist.

Als im 16. Jahrhundert die ersten Siedler in Nordamerika auf die verschiedenen Stämme trafen, lernten sie die Heilwirkungen der Nachtkerzen kennen. Sie zerstampften die ölhaltigen Samen der Pflanze zu einem Brei, der gegen Hautausschläge benutzt wurde. Das Öl wurde außerdem sehr gerne von den Frauen zu kosmetischen Zwecken verwendet. Regelmäßige Auflagen mit Brei brachten ihnen eine straffe und jugendliche Haut. Die Irokesen behandelten damit Geschwüre. Die Navajos bevorzugten die Blüten bei Erkältungen und Husten. Nach einer alten Überlieferung ist bekannt, dass die Navajos und Hopis die Nachtkerze bei jeder Krankenheilung und zu Beschwörungszeremonien nutzten. 

Bei den Indianern galt sie als Glücksbringer für die Jagd und sollte auch vor Schlangen schützen.

Es gibt Berichte, dass die Cherokee mit der heißen Wurzel Hämorrhoiden behandelten. Daneben spielte das gelbe Blütenwunder bei zeremoniellen Handlungen eine Rolle. Etwa bei den Zuni führten Jungfrauen die rituellen Tänze für Regen und gute Ernten auf. Dazu kauten sie die Blüten und rieben sich damit den Körper ein. 

Eine andere Verwendung hatten die jungen Frauen der Hopi-Indianer: Im heiratsfähigen Alter steckten sie sich die Blüten an Festtagen ins Haar.

Die Heimat der Nachtkerzengewächse ist der nordamerikanische Raum. Ihre Ausbreitungsgebiete gehen von Kanada bis New Mexico. Sie wachsen auf alten Feldern, an Straßenrändern und auf Prärien. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Nachtkerze nach Europa gebracht, wo man sie als Zierpflanze in Parks und Gärten kultivierte. Von da verwilderte sie und siedelte sich in der Umgebung an. Die erste Zucht der Nachtkerze gelang im botanischen Garten Padua. Im 17. Jahrhundert beschrieb der britische Arzt Dr. Nicholas Culpeper die Nachtkerze genauer und im Jahre 1749 wurde sie von dem schwedischen Abenteurer und Botaniker Peter Kalm wiederentdeckt. Heutzutage kommt die Pflanze in ganz Europa und auch auf fast allen Kontinenten vor.

In früheren Zeiten wurde diese vergessene Gemüsepflanze als Nahrungsmittel angepflanzt. Es wurden die Wurzeln der Nachtkerze als Gemüse gegessen. Ganze Felder wurden mit ihr bepflanzt und unsere heutigen Nachtkerzen sind sozusagen die Nachkommen aus längst vergangener Zeit. Heute wird sie als vergessene Gemüsepflanze wiederentdeckt, doch vor allem findet sie Verwendung in der Frauenheilkunde.

Im Volksmund wird die Nachtkerze auch „Schinkenwurz“ genannt, da sich ihre Wurzeln beim Garen rötlich verfärben. Ihre weite Verbreitung in Europa ist vor allem auf ihren im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert häufigen Anbau als Gemüsepflanze zurückzuführen. Alte Sprichwörter behaupteten, dass ein Pfund der Nachtkerzenwurzel so viel Kraft gebe wie ein Zentner Ochsenfleisch. Die Gemeine Nachtkerze zählt deshalb bis heute zu den typischen Pflanzenarten des Bauerngartens, auch wenn sie heute meist nur als Zierpflanze angebaut wird.

Zur Gewinnung des Nachtkerzenöls kann die Nachtkerze in ein- und zweijähriger landwirtschaftlicher Kultur angebaut werden. Bei einjährigem Anbau erfolgt die Aussaat in der ersten Aprilhälfte, bei zweijähriger Kulturdauer werden die feinen Samen im Hochsommer flach gesät. Die Nährstoffansprüche der Nachtkerze sind gering. Krankheiten und Schädlinge können die Ernte jedoch beeinträchtigen.

Das Öffnen der Blüten erfolgt häufig innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung. Die Plötzlichkeit und Schnelligkeit des Aufblühens ist ansonsten bei keiner anderen in Mitteleuropa vorkommenden Pflanze zu beobachten. Sie ist deshalb in Botanischen Gärten und Schulgärten eine gelegentlich verwendete Demonstrationspflanze. Eine sich öffnende Blüte ist in der Regel noch geruchlos. Erst nach vollständiger Öffnung verbreitet sie einen intensiv süßlichen Duft. Die Narben sind am Blüteneingang den bestäubenden Insekten zugänglich.

-Nachtkerze- Merkmale & mehr…

Gemeine Nachtkerze

Botanischer Name: Oenothera biennis

Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

Weitere Namen: Gewöhnliche Nachtkerze, Nachtblume, Abendblume, Sommerstern, Gelbe Rapunzel, Schinkenwurzel, Stabwurzel, Rapontika, Eisenbahnerlaterne (wegen der Verbreitung der Samen im Frachtgut auf Bahnstrecken)

Merkmale:

Die gemeine Nachtkerze ist eine typisch krautige Pflanze, die bei optimalen Standortbedingungen Wuchshöhen zwischen 150 und 180 cm erreichen kann. Verwilderte Arten sind jedoch meist deutlich kleiner und wachsen in der Regel zwischen 80 cm und 100 cm hoch. Die Pflanze ist zweijährig und bildet einen charakteristischen Wurzelstock mit weißlichen, großen Pfahlwurzen aus. Die Wurzeln sind meist nur wenig behaart und bilden nur wenige bis keine Seitenwurzeln.

Blätter:

Die Blätter der Nachtkerze müssen in Grundblätter und Stängelblätter unterschieden werden. Die am Boden liegenden Grundblätter sind meist eiförmig, länglich und in einer Blattrosette angeordnet, die typisch für das erste Lebensjahr der Pflanze ist. Im Folgejahr wächst aus der Rosette der aufrechte Stängel, der mitunter kantig ausgeprägt sein kann und im unteren Bereich rötlich gefärbt ist. Am Stängel wachsen die deutlich kleineren Stängelblätter, die lediglich einen kurzen Stiel besitzen. Charakteristisch für die unbehaarten Blätter sind die Blattnerven. Der Hauptnerv, der vom Blattgrund bis zum Blattstiel verläuft, ist rötlich gefärbt, wohingegen die seitlich verlaufenden Nervenbahnen eher farblos sind.

Die grundständigen und wechselständig am Stängel verteilt stehenden Laubblätter sind sitzend oder kurz gestielt und hell- bis mittelgrün. Die Blattspreiten der Grundblätter sind 10 bis 30 Zentimeter lang und meist 2 bis 5 Zentimeter breit. Die Blattspreiten der Stängelblätter sind bei einer Länge von 5 bis 22 Zentimeter und einer Breite von meist 1,5 bis 5 (1 bis 6) Zentimeter schmal verkehrt-lanzettlich bis elliptisch mit spitzer bis zugespitzter Spreitenbasis und spitzem oberen Ende. Der Rand der Stängelblätter ist gezähnt bis fast glatt, oft gelappt in der Nähe der Spreitenbasis. Es sind ein roter Mittelnerv und undeutliche Seitennerven vorhanden.

Blüten:

In einem meist unverzweigten, dichten, ährigen Blütenstand an einer geraden, drüsig behaarten Blütenstandsachse stehen viele Blüten zusammen. In der Achsel eines Tragblattes sitzt je eine Blüte. Die Blütenknospen sind grün.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist selten 2, meist 2,5 bis 4 Zentimeter lang. Auf ihm stehen die Kelch- und Kronblätter. Die vier grünen bis mehr oder weniger gelben, selten mehr oder weniger roten Kelchblätter sind meist 1,2 bis 2,2, selten bis zu 2,8 Zentimeter lang verwachsen und die nach unten gekrümmten Kelchzipfel sind 1,5 bis 3 Millimeter lang. Die vier Kronblätter sind meist 1,2 bis 2,5, selten bis zu 3 Zentimeter lang und 2,4 bis 3,5 Zentimeter breit. Die Kronblätter sind intensiv gelb und verfärben sich beim Verwelken orangefarben.

Zur Blütezeit, die meist zwischen Mitte Juni bis Anfang Oktober andauern kann, entwickeln sich eidottergelbe Blüten, die einen Durchmesser von bis zu 2,5 cm erreichen können. Die Blütenstiele entwickeln sich aus den gleichen Blattachseln, wo die Stängelblätter sitzen. Die zwittrigen Blüten der Nachtkerze haben einen angenehmen, süßlichen Duft und sind in sogenannten Blütentrauben angeordnet. Die Kelchblätter der Blüten sind meist grünlich bis gelblich gefärbt.

Samen & Früchte:

Im Anschluss der Blütezeit entwickeln sich aus den Blütenständen längliche Fruchtknoten, aus denen bis zu 5 cm lange und vierkantige Kapselfrüchte hervorgehen. Jede Frucht enthält jeweils zwei Fruchtfächer in der bis zu 200 Samen sitzen. Die Nachtkerzensamen weisen eine meist dunkelbraune Färbung auf. Jede Pflanze kann mehr als 20.000 Samen produzieren, wodurch sich erklären lässt, dass die Pflanze sich über kurze Zeiträume schnell ausbreiten kann.

Die junge Frucht ist mit Drüsenhaaren und spitzen Haaren bedeckt. Die sitzende, lokulizide Kapselfrucht ist bei einer Länge von 2 bis 4 Zentimeter und einem Durchmesser von 4 bis 6 Millimeter zylindrisch und mehr oder weniger gerade. Die Samen stehen in zwei Reihen je Fruchtfach. Die 1,1 bis 2 Millimeter großen, kantigen Samen besitzen eine braune bis fast schwarze und unregelmäßig genarbte Oberfläche.

Standort/Vorkommen:

Die gemeine Nachtkerze stammt ursprünglich aus Nordamerika. Etwa Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Pflanze auf dem Seeweg nach Europa eingeschleppt und fand schnell als Zierpflanze rege Beachtung in vielen Gärten. Da die Nachtkerze sich recht schnell ausbreiten und viele Lebensräume besiedeln kann, war sie innerhalb kurzer Zeit an vielen Orten Europas wild anzutreffen. Die Nachtkerze gilt als klassischer Neophyt, also eine Pflanze, die durch menschlichen Einfluss heute andere Erdteile besiedelt.

Die große Familie der Nachtkerzengewächse teilt sich grundlegend in zwei große Unterfamilien auf, zu denen die Onagroideae mit etwa 22 Gattungen und die Ludwigioideae mit lediglich einer Gattung (aber dafür 82 weltweit vertretenden Arten) gezählt werden. Nachtkerzengewächse kommen überall auf dem Erdball vor, lediglich in der unwirtlichen Antarktis sowie in den heißen Wüsten Australiens sind sie nicht zu finden.

In Deutschland lässt sich die Nachtkerze an vielen Standorten verwildert antreffen. Man findet die krautige Pflanze u.a. an Wegböschungen, an Straßenrändern, auf Brachflächen, an Eisenbahndämmen oder auf kargen Wiesen.

Als Standort benötigt die Gemeine Nachtkerze einen trockenen, nicht zu nahrhaften, aber möglichst kalkhaltigen Boden. In ganz Europa, Vorderasien und Ostasien ist sie an sogenannten Ruderalplätzen wie Wegrändern, Kies- und Sandgruben, Steinbrüchen und Schotterbänken zu finden.

Ökologie:

Die meisten Arten werden durch nachtaktive Insekten bestäubt und duften daher auch nur nachts. Der Nektar in den unterständigen Blütenröhren ist nur für langrüsselige Insekten erreichbar. Besonders häufig finden sich an den Blüten Vertreter der Schwärmer (Schmetterlinge) ein. So lässt sich an den Blüten beispielsweise das Taubenschwänzchen und der Mittlere Weinschwärmer beobachten, wie sie im Schwirrflug vor den Blüten stehen. Eine Schwärmerart trägt wegen ihrer Vorliebe für den Nektar dieser Pflanzengattung sogar die Bezeichnung Nachtkerzenschwärmer.

Die einzelnen Blüten sind sehr kurzlebig. Sie öffnen sich erst in der Abenddämmerung und sind meistens bis zum nächsten Mittag wieder verblüht. Der genaue Zeitpunkt, zu dem sich die Blüten öffnen, ist abhängig vom Sonnenstand, von der Tagestemperatur sowie von der Luftfeuchtigkeit.

Das Öffnen der Blüten erfolgt häufig innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung. Die Schnelligkeit, mit der das Aufblühen erfolgt, ist bei keiner anderen in Mitteleuropa vorkommenden Pflanze zu beobachten.

Eine sich öffnende Blüte ist dabei in der Regel noch geruchlos. Erst nach ihrem vollständigen Öffnen wird ihr Duft intensiv süßlich, so dass er von Menschen mitunter als aufdringlich und fast stinkend empfunden wird.

Die Nachtkerzen produzieren Hunderte von Samen. Die Samenkammern öffnen sich sobald die Pflanze abgestorben ist. Bereits die Erschütterungen durch leichten Wind reichen aus, die Samen zu verteilen.

Die zweijährigen Nachtkerzen-Arten blühen erst im zweiten Jahr. Im ersten Jahr bildet sich ein flach auf dem Boden liegender Blattteller. Im zweiten Jahr entwickelt sich die Pflanze nach oben und entwickelt den Blütenstängel, der bis zu 2 Meter Wuchshöhe erreichen kann.

Nachtkerzen sind vielfach und oft dominierend in Ruderal-Gesellschaften entwickelt, die auf trockenen und sonnigen (warmen) Standorten stehen. Da ohne weitere Störung des Bodens diese zweijährigen Pflanzen bereits nach wenigen Jahren von ausdauernden Pflanzen verdrängt werden, sind die Vorkommen oftmals sporadisch.

Der König und die Kräuterhexe

Es war einmal eine Kräuterhexe namens Vanilla, ein sehr liebenswürdiges altes Weiblein, welche im Kräuterwald zu Hause war. Dort wuchsen die herrlichsten Gräser, Blumen und Sträucher. Aber es befand sich auch so manch giftige Pflanze darunter. Deswegen war es nicht ratsam, achtlos Pflanzen zu pflücken. Nur Vanilla wusste um die Wirkung der Natur im Kräuterwald Bescheid.
In ihrer bescheidenen Hütte bewahrte sie das dicke, riesengroße Kräuterhexenbuch auf, welches schon ihre Ururururgroßmutter sehr zu schätzen wusste.

Für jedes Wehwehchen war schließlich ein Kraut gewachsen, das mit dem richtigen Zauberspruch wahre Wunder vollbringen konnte. Viele arme Menschen kamen zur Kräuterhexe mit der Bitte, ihnen zu helfen. Diesem Wunsch kam sie gerne nach, fand sie es doch als ihre Aufgabe, den Menschen den richtigen Gebrauch der Kräuter zu vermitteln. Dabei spielte es keine Rolle, ob jemand Geld hatte oder mittellos war.

Eines schönen Tages erkrankte König Rarirus an einer merkwürdigen Krankheit. Der König war ein selbstsüchtiger Mensch, der immer das Beste, das Neueste, das Größte, das Schönste besitzen wollte! Schließlich galt er als der reichste König weit und breit!

So ließ er nach dem Arzt rufen, um zu fragen, was ihm denn fehlte. Dieser machte ein komisches Gesicht und sagte dann: „Eure Majestät! Euer Reichtum ist es, der Euch bedrückt! Leider gibt es dagegen noch keine Medizin!“
Über diese Worte geriet der König so in Wut, dass er den ungehobelten Arzt in den königlichen Kerker sperren ließ.

Als nächstes sollte der königliche Zauberer zu ihm kommen. Der kannte bestimmt einen wirksamen Zauberspruch, der ihm helfen könnte, seine Schmerzen zu lindern. Doch auch der Zauberer schüttelte seinen Kopf und meinte: „Eure Majestät! Eure Krankheit vermag ich nicht wegzuzaubern! Aber wenn Ihr wollt, kann ich die Ursache, den Grund allen Übels, wegzaubern: Eure Besitztümer!“

Der König schrie aus Leibeskräften und befahl seinen Wachen, auch den Zauberer ins Verlies zu stecken.

Wie Rarirus sich den Kopf über seine Genesung zerbrach, streckte neckend der königliche Hofnarr seinen Kopf zur Tür herein. Er wollte seinen Herrn etwas aufmuntern, was ihm nicht so recht gelingen wollte.
Zornig schrie der König: „Wenn du mir nicht sagen kannst, was mir fehlt, dann verschwinde gefälligst wieder und lass mich in Ruhe nachdenken!“

Da begann der Hofnarr zu lachen: „Aber eure Majestät! Wie kommt Ihr darauf, dass Euch was fehlt? Im Gegenteil: Ihr habt zu viel! Verteilt doch alle Eure Besitztümer unter den Armen, so wird es Euch bald schon wieder gut gehen!“

König Rarirus traute seinen Ohren nicht. Was erlaubten sich Arzt, Zauberer und jetzt auch noch der Hofnarr? Er war der König und musste sich das nicht bieten lassen. Er entschied darüber, was er mit seinen Besitztümern anstellte, und er entschied auch darüber, dass der Hofnarr von nun an seine Zeit im Gefängnis fristen sollte.

Wutschnaubend schrie er seine Dienerschaft an: „Ich befehle euch, sofort hinaus in die Welt zu gehen und nicht eher zurück zu kommen als ihr ein Mittel gegen meine Krankheit gefunden habt. Und wehe euch, ihr kommt ohne Erfolg zurück! Dann ergeht es euch wie den anderen drei!“

Der König musste gar nicht weiter sprechen, alle wussten sofort, was der König meinte und machten sich gehorsam auf Wanderschaft.

Schon bald kehrte ein Diener aufgeregt zum König zurück und berichtete ihm von seiner Entdeckung des Kräuterwaldes am Rande des Königreiches.

„Was stehst du noch hier rum?“, brüllte der König. „Lauf geschwind und bring mir alle Kräuter, die du finden kannst!“

„Aber Eure Majestät! Ich kann doch nicht den ganzen Kräuterwald abpflücken!“, empörte sich der Diener.

„Was? Du wagst es, mir zu widersprechen?“

„Nein, natürlich nicht! Aber im Kräuterwald wachsen auch viele giftige Pflanzen, habe ich mir sagen lassen. Um die Wirkung der einzelnen Pflanzen weiß nur die Kräuterhexe Vanilla mit ihrem Kräuterhexenbuch Bescheid!“, entgegnete der Diener.

„Warum sagst du das nicht gleich?“, fragte Rarirus. „Geh zu ihr und überbring ihr meine Botschaft, sie müsste mir einen Kräutertrank hexen! Falls sie sich weigert, droht ihr die Gefängnisstrafe! Niemand wagt es, mir zu widersprechen!“

Der Diener ließ keine Zeit verstreichen und eilte in den Kräuterwald zur Hexe. Er erzählte Vanilla vom kranken König und seinem Befehl.

Daraufhin lachte das Weiblein und meinte: „So einem störrischen König soll ich auch noch helfen? Nein, niemals!“

Auch die angedrohte Strafe ließ Vanillas Herz nicht erweichen. Sie wollte ihrem Grundsatz treu bleiben und nur guten, dankbaren Menschen mit ihren Hexereien zur Seite stehen.

Schnell überbrachte der Diener dem König die schlechte Nachricht. Der König lag in seinem Bett und krümmte sich vor lauter Bauch- und Kopfschmerzen. Aber es ging ihm immer noch nicht schlecht genug, denn brüllen konnte er besser wie kein anderer: „Diese Hexe soll ihr blaues Wunder erleben!“

Nachdem er den Diener ins Gefängnis hatte sperren lassen, um ihn für seine misslungene Aufgabe zu bestrafen, machte er sich selbst auf in den Kräuterwald.

Der Weg dorthin war schwierig zu finden. Bis vor kurzem wusste er nicht einmal von dessen Existenz. Als er endlich glaubte, dort angekommen zu sein, schrie er schon von weitem: „Kräuterhexe, lass dich blicken! Du bist verdammt, bis an dein Lebensende in meinem Kerker zu schmoren! Du undankbares Weib! Willst nicht deinem König dienen!“

Natürlich konnte man den König weithin hören. So erschrak auch die Kräuterhexe über den plötzlichen Lärm, sah zum Fenster hinaus und erkannte den König, der in ihren Kräuterwald eindringen wollte.

Schnell blätterte sie in ihrem Kräuterhexenbuch, fand auch schon alsbald den gesuchten Zauberspruch, nahm ihren Zauberstab und rannte ins Freie.
Dort schwang sie den Zauberstab, der aus einem geschwungenen Ast bestand und murmelte die Zauberworte:

„Lirum, larum, Löffelstiel!
König Rarirus brüllt zu viel!
Alle Kräuter gehören mir,
niemals, niemals schenke ich sie dir!
Nie lass ich Euch in den Kräuterwald hinein,
er soll von Brennnesseln umgeben sein!“
Wie sie diese Worte ausgesprochen hatte, so stand rings um den Kräuterwald herum ein hoher Zaun aus Brennnesseln.

Der König, der natürlich gar keine Ahnung von Kräutern und Pflanzen hatte, stürmte schnurstracks auf die Brennnesselsträucher zu und wollte sich mit lauter Geschrei hindurchzwängen.

Doch kaum kam er in Berührung mit diesen Pflanzen, so heulte er vor lauter Schmerzen auf, schlug wild um sich, was den Schmerz noch größer machte.
Mit lauter roten Punkten am ganzen Körper sah er ein, dass die Kräuterhexe mächtiger als er war, und verließ mit Geschrei und Geplärre den verhexten Ort, um in sein Schloss zurückzukehren.

Dort angekommen musste er feststellen, dass sich kein Mensch mehr im Schloss befand, auch nicht im Verlies. Fast alle hatten ihn verlassen, weil sie nicht mehr mit ihm auskommen wollten. Nur der Hofnarr war geblieben und blieb beim König, bis er ihn überzeugt hatte, dass Reichtum alleine nicht glücklich macht.

Und je mehr Rarirus Gutes mit seinem Reichtum tat, desto wohler fühlte er sich. Das Volk begann ihn zu lieben und der gesamte Hofstaat kehrte zurück. Von Stund an lebte der König zufrieden und regierte sein Volk in Weisheit und Güte. Auch entschuldigte er sich bei der Kräuterhexe und fortan lebten alle miteinander in Frieden und Eintracht.

Quelle: Carmen Kofler

-Königskerze- Kulinarisch

Verwendung in der Küche:

Königskerzenblüten sind nicht nur für die Heilkunde interessant, sondern können auch gegessen werden. Von der Königskerze sind die Blüten sowie das Kraut zum Verzehr geeignet. Die Blüten lassen sich als goldgelber Farbgeber zu Sirup, Limonaden oder Spirituosen verarbeiten. Geschmacklich erinnert die Königskerze an getrocknete Apfelringe. Das Aroma der Blätter ist etwas herber, aber dennoch fruchtig. Die strahlend gelben Blüten sorgen auf dem Teller für farbliche Akzente. Frisch gepflückt besitzen sie einen zarten Honigduft. Sie schmecken angenehm mild, leicht süßlich und etwas fruchtig. Sie können mit ihnen einen sommerlichen Blattsalat verzaubern, indem Sie sie vor dem Servieren darüberstreuen.

Königskerzenblüten stärken nach Hildegard von Bingen auch das schwache und traurige Herz und machen den Menschen wieder fröhlich: Die frischen bzw. getrockneten Blüten einfach in Gerichten mitkochen, dem Omelettenteig beimengen, unter den Salat mischen, aufs Dessert streuen, in den Kuchenteig mengen usw.

Königskerzenblüten verleihen jeder Suppe eine kräftige Farbe: dafür 2 Blüten in der Suppe mitköcheln lassen.

Zudem passen die Blüten gut zur Dekoration von Desserts. Ganz wichtig: Damit es im Hals nicht reizt und kratzt, werden für den Rohgenuss die wollig behaarten Staubgefäße aus den Blüten herausgeknipst. Die gelb färbenden und süßlichen Blüten können auch zur Likörherstelleng eingesetzt werden.

Um die Blüten zu konservieren, müssen sie trocken sein, wenn man sie erntet, da sie sonst eine schmutzige Farbe bekommen. Sie sollten möglichst wenig berührt werden und können im luftigen Schatten oder im Herd trocknen. Die Blütentrocknung verlangt viel Sorgfalt, da sie leicht schimmeln oder schwarze Flecken bekommen und damit verdorben sind. Die Blätter sind weniger empfindlich.

Die Blätter können in heißem Öl mit oder ohne Teig frittiert und gegessen werden.

Rezept für einen selbst gemachten Königskerzenlikör

Zutaten

  • 75 g frische Königskerzenblüten
  • ½ Vanillestange
  • 0,5 l Korn oder Wodka
  • 100 g Zucker
  • 100 ml Wasser

Zubereitung

Königskerzenblüten und klein geschnittene Vanillestange in ein verschließbares Glas geben und mit Korn oder Wodka auffüllen. An einem warmen, schattigen Platz 3–4 Tage ziehen lassen und gelegentlich schütteln. Durch ein feines Sieb abfiltern. Dann Zucker mit Wasser mischen und 10 Minuten köcheln lassen. Nach dem Abkühlen die Zuckerlösung mit dem Königskerzenauszug vermischen und in kleine Flaschen füllen. Vor Anbruch mindestens 3 Wochen im Keller reifen lassen.

Blütenpesto

Selbst gemachtes Pesto schmeckt immer noch am besten! Essbare Blüten verleihen dem Pesto aus Öl und Nüssen ein besonderes Aroma, das es unglaublich frisch und besonders macht.

150 g essbare Blüten (z. B. Ringelblumen, Malven, Königskerze, Dost, Thymian, Kapuzinerkresse oder Schnittlauch)
150 ml Sonnenblumenöl (oder Raps-Öl)
100 g Mandeln oder Kürbiskerne
80 g Pecorino
Salz und Pfeffer

Blüten ausschütteln, nicht waschen. Die einzelnen Blütenblätter abzupfen und klein schneiden. Mandeln beziehungsweise Kürbiskerne im Mixer grob zerkleinern. Den Käse raspeln. Alle Zutaten mit 100 Milliliter Öl vermischen und leicht pürieren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die Gläser mit kochendem Wasser ausspülen, abtrocknen und das Pesto einfüllen. Achten Sie darauf, dass die Ränder sauber sind. Mit dem restlichen Öl das Pesto bedecken. Die Haltbarkeit beträgt 6 bis 8 Monate. Das angebrochene Glas sollte jedoch innerhalb weniger Wochen verbraucht werden.

Blütenkräuterbrot

6 Scheiben Brot
Kräuter nach Belieben, z. B.: Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Knoblauchgrün, Thymian, Fenchel, Salbei, Rosmarin, Sellerie
essbare Blüten je nach Jahreszeit: Gänseblümchen, Stiefmütterchen, Tagetes, Taglilien, Dahlien, Rosen, Königskerze, Ringelblumen, Borretsch
Butter
etwas Kräutersalz

Brot in Scheiben schneiden, mit Butter bestreichen, mit wenig Kräutersalz bestreuen und in kleine Ecken schneiden. Die Kräuter hacken. Große Blüten (Rosen, Dahlien, Königskerze) in Streifen schneiden, andere (Ringelblume, Borretsch) abzupfen, kleinere Blüten (Stiefmütterchen, Gänseblümchen) ganz verwenden. Die Blüten locker unter die Kräuter heben und auf einem flachen Teller ausbreiten. Die Butterbrotecken dazu reichen. Nun kann jeder Gast die Brotecken mit der Butterseite in die Blüten-Kräutermischung tunken und leicht andrücken.

Tipp:
Verschiedene Blütenfarben einzeln unter die Kräuter mischen und so gelbe, rote oder blaue Kräuterbrote herstellen. Sieht super aus und überrascht die Gäste.

Gebackene Königskerzenblätter

1 Handvoll Königskerzenblätter
1 Ei
125 g Mehl
150 ml trockener Weißwein
1 Prise Salz
Pflanzenöl zum Ausbacken

Die Königskerzenblätter abbrausen, trocken tupfen und nach Wunsch etwas klein schneiden.

Das Ei trennen. Das Mehl mit dem Eigelb, dem Wein und Salz glattrühren. Etwa 10 Minuten ruhen lassen. Das Eiklar steif schlagen und den Eischnee unter den Teig ziehen.

Die Blätter durch den Teig ziehen und portionsweise in heißem Öl (ca. 170°C) in einer hohen Pfanne ca. 1 Minute goldbraun ausbacken.

Auf Küchenpapier abtropfen lassen und z. B. als Snack oder mit Dips servieren.

-Königskerze- In der Volksmedizin

Anwendung in der Heilkunde:

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzel, Blätter, heutzutage aber meist die Blüten

(Die gesammelten Pflanzen werden erst einige Stunden in der Sonne angetrocknet, danach trocknet man schonend im Schatten weiter. Die getrockneten Blüten und Blätter werden luftdicht und dunkel aufbewahrt.)

Inhaltsstoffe:

Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide, Rutine, Invertzucker, Sterole, Kämpferol, Iridoide, ätherische Öle, Phenolcarbonsäuren wie Kaffee- und Ferulasäure

Eigenschaften:

Reizlindernd, auswurffördernd und schweißtreibend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, fiebersenkend, diuretisch

Anwendbar bei:

Entzündliche Erkrankungen der Luftwege, wie Bronchialkatarrh , Husten mit festsitzendem Schleim, Bronchitis, Heiserkeit, Kehlkopfentzündung, Keuchhusten, Magen- und Darmkrämpfe, Verbrennungen, Gesichtsschmerzen, Neuralgien – insb. Trigeminusschmerzen, Rheuma und Gicht, Ohrenentzündung, entzündliche Hauterkrankungen wie Abszesse, Furunkel und Ekzeme, Augenentzündungen, schlecht heilende Wunden, Hämorrhoiden und Afterjucken.

Die Königskerze enthält viele Flavonoide und Saponine. Dadurch sind die Anwendnungen Balsam für alle Schleimhäute im Körper. Durch die enthaltenen Schleimstoffe überziehen sie die gereizten Körperschleimhäute mit einer schützenden Schicht. Damit helfen sie bei Heiserkeit, Reizhusten sowie bei allen Bronchialerkrankungen. Außerdem nutzen sie auch bei Allergien und allergischem Asthma.

Es gibt zwar auch Husten- und Bronchialtees, die nur aus Königskerzenblüten bestehen, verbreiteter (und sinnvoller) sind jedoch getrocknete Verbascumblüten in Teemischungen mit Pflanzen, die ähnlich als Schleimlöser wirken oder Husten stillen. Schleim löst zum Beispiel die Wilde Malve, und Thymian wirkt gegen Husten.

Weiter beruhigen sich auch die Schleimhäute von Ohren und Magen wieder. Wie beim Johanniskraut lassen sich die Inhaltsstoffe der Blüten in Öl ausziehen. Dieses Königskerzenblütenöl wird in der Erfahrungsheilkunde bei Wunden, Juckreiz, Furunkeln, Neuralgien und Rheuma als Umschlag aufgelegt. Bei Schmerzen im Ohr, Furunkeln oder schuppigem Zustand an der Ohrmuschel und im äußeren Gehörgang träufelt man das Öl in die Ohren.

Sowohl die zerstoßenen Blätter als auch die pulverisierten Blüten sind zur äußeren Anwendung nützlich als Breiumschlag bei schlecht heilenden Wunden und bringen eine rasche Hilfe bei Insektenstichen. Traditionell werden diese auch bei Frostbeulen, Hautentzündungen oder Prellungen verwendet.

Im Grunde genommen ist es die einzigartige Wirkstoffkombination, die sowohl reizmildernd als auch Auswurf fördernd wirkt. Das vorhandene Aucubin verleiht der Königskerze zusätzlich keimhemmende Wirkung. Und sogar Bakterien wie Streptokokken können dadurch im Wachstum gehindert werden.

Zerdrückte Blätter äußerlich angewendet wirken durchblutungsfördernd und helfen bei der Wundheilung.

Den Hippokratikern war die Königskerze bereits im fünften und vierten vorchristlichen Jahrhundert zur äußeren Anwendung bekannt. Gestoßene Königskerzenblätter gaben schleimige Gemische zur Behandlung von Wunden. Dioskurides beschreibt mehrere Arten der „phlomos“-Pflanze, deren Unterscheidung Plinius jedoch für nahezu überflüssig hält, da sie alle dieselben Eigenschaften haben. Beide empfahlen die Anwendung bei chronischem Husten und äußerlich als Wundheilmittel.

Im Hochmittelalter begegnen wir die Königkerze unter dem Namen „Wullena“ bei Hildegard von Bingen. Sie verordnete die Blüten bei heiserer Stimme und als Herzmittel. Wer ein schwaches oder trauriges Herz hat, soll die „Wullena“ zusammen mit Fleisch, Fischen oder Kucheln (Kuddeln?) ohne andere Kräuter kochen und essen, dann wird sein Herz gekräftigt und wieder freudig werden. Das eine derart stattliche Pflanze mit sonnengelben Blüten das Herz erfreut oder antidepressiv wirkt, mag nicht verwundern. Zu dieser Zeit wurde sie auch häufig von Mönchen in den Klostergärten gezogen.

Die in Wasser gekochten Blüten und das Kraut sind im 16. Jahrhundert auch zum Heilen „wider alle hitzige Geschwär des Affters“, worunter sowohl Hämorrhoiden als auch Feigwarzen zu verstehen sind, verwendet worden.

Alte Rezepte

Tee:

1 TL. Blüten mit ¼ L kochendem Wasser überbrühen, 10 Min. ziehen
lassen, mit Honigbeigabe trinken. Gut absieben, die verbleibenden feinen
Härchen können reizen. Als Hustentee mit Thymian und Lindenblüten sehr
wirksam. Kinder lieben den feinen honigartigen Geschmack.

Königskerzenöl:

1 Handvoll frische Blüten in ein Glas mit 100 ml
Olivenöl, Rapsöl oder ein anderes bevorzugtes Öl geben. Abdecken und 3
Wochen an einem sonnigen Platz stehen lassen, jeden Tag schütteln.
Abfiltern und in einer dunklen Flasche kühl lagern. Dieses Öl kann
tropfenweise bei Ohrenschmerzen in den Gehörgang eingeführt werden.
Äußerlich auch bei juckender Haut, z. B. nach leichten Verbrennungen.

Kräuterbutter:

Bei Husten und Bronchitis – ein altes Rezept meiner Großmutter!
Sie hat frische Blüten der Königskerze und fein geschnittene Blätter des
Spitzwegerichs mit Butter vermengt und später eingefroren. Früher wurde
es im Keller aufbewahrt. Hatte jemand Husten, bekamen wir immer ein
kleines Stückchen dieser Butter auf die Zunge und ließen es schmelzen.
Nächtliche Hustenattacken und Reizhusten, Stimmverlust – alles hat man
damit behandelt.