Kapitel meines Lebens…

-Wir sind nicht unsere Vergangenheit und können auch in der Zukunft nicht sein-

Vor kurzem hatte ich auf meiner Website Teile meiner Lebensgeschichte veröffentlich. Zu einem Teil, um aus der Anonymität herauszutreten, die im Zeitalter des Internet ja nur allzu bequem ist, da man sich hinter ihr verbergen kann und nicht sein wahres Gesicht zeigen braucht. Das eigentliche Ich. Ich wollte dem Schreiber dieses Blogs ein Gesicht geben, doch vor allem wollte ich zeigen, dass die Vergangenheit eines Menschen überhaupt keine Rolle spielt, denn wir sind nicht unsere Vergangenheit.

Viele Menschen behaupten, dass das was sie in ihrer Vergangenheit erlebten sie zu dem Menschen machte, der sie heute sind. Das ist nur zum Teil wahr. Sicherlich tragen verschiedene Ereignisse der Vergangenheit oder auch dessen was noch kommt dazu bei, wie wir uns entwickeln und zu welcher Persönlichkeit wir wachsen. Doch es macht keinen Sinn sich dahinter zu verstecken.

Als ich die Zeilen veröffentlichte, bemerkte ich etwas, dass nur allzu liebenswert menschelich ist und uns doch so sehr oft im Weg steht. Unser Urteil.

Nicht nur dass wir uns selbst nur allzu gern beschuldigen und verurteilen, besonders gern und meist noch nicht einmal bewusst, tun wir es über andere. So wurde also auch ziemlich schnell ein Urteil über mich gefällt und ich wurde plötzlich auf meine Vergangenheit reduziert. Da diese in vieler Augen vielleicht negativ behaftet ist, sowohl Geschehenes, als auch Dinge sie ich tat, war das entstandene Urteil über meine Person nun doch auch von einer mitschwingenden Negativität behaftet.

Nun lernte ich kürzlich eine junge Frau kennen. Eine Herzensgute Seele, wenn ich das beurteilen darf. Wir verstanden uns auf Anhieb, arbeiteten eine Woche zusammen, brachen in Tränen aus, als wir uns verabschieden mussten und bleiben in Kontakt, so gut es eben möglich ist.

Das Zusammen sein mit ihr war herrlich. Einfach herzlich und warm. Wir haben so viel gelacht, konnten unglaublich gut reden und zogen in unserer Tätigkeit fast ausschließlich Menschen an, die genauso mit uns lachten, sich des Tages freuten und gern ihre Zeit mit uns verbrachten, da sie sich herzlich angenommen fühlten. Die wenigen, die es nicht taten, waren von allein ziemlich schnell wieder weg und tatsächlich war das ein nur ein verschwindend geringer Teil.

Eines Abends fragte mich die junge Frau, ob ich sehen könnte, was wir zusammen erlebten und natürlich sehe ich es, denn zumeist beinhaltet mein heutiges Leben genau diese Warmherzigkeit, Freundlichkeit, Wärme und die Liebe zu den Menschen. Sie sagte mir „Das bist Du… Wenn Du den Raum betrittst, erstrahlt ein helles Licht. Wenn Du lachst, dann zieht das die Menschen in Deinen Bann und sofort beginnt alles um Dich herum zu strahlen und zu leuchten…“

Über ihre Worte war ich überrascht und erfreut zugleich. Ich war zu Tränen gerührt, denn diese junge Frau hatte mich gesehen. Sie konnte mein wirkliches Ich sehen, mit allem was ich in mir bin und zu geben habe und all das bekam ich von ihr zurück. Eine wundervolle Zeit, die wir da verbrachten. Lieben Dank liebe Swetlana an dieser Stelle noch mal für die herrlichen Tage, die wir gemeinsam erleben durften.

Worauf ich nun aber hinaus möchte… Wie kann ein anderer Mensch in mir etwas derartiges sehen, wenn ich doch meine Vergangenheit sein soll? Meine Vergangenheit und mein heutiges Ich sind der größte Beweis dafür, dass nichts vergangenes eine Rolle spielt. Ich hätte andere Wege gehen können, Wege, die mich vom Licht noch weiter weg geleitet hätten. Doch irgendwie war ich mir ab einem gewissen Zeitpunkt doch instinktiv bewusst, dass ich die Wahl habe. Immer, zu jeder Zeit und jeden Tag neu.

Selbstverständlich trage auch ich Wut und Zorn, Groll und Hass und andere derartige Dinge in mir. Jeder Mensch tut das, niemand ist frei von den Schatten, seinen Ängsten, den oft selbstzerstörerischen Gedanken. Wir alle tragen es zumindest als Samen in uns und doch dürfen wir uns immer wieder entscheiden, ob wir diese Samen wässern oder die des Glücks und der Freude und vor allem die Schönheit des Lebens und der Menschen sehen, die uns in unserem Leben begleiten.

Die Vergangenheit jedes einzelnen hat damit nichts zu tun. Vergangenes ist vorbei, ist nicht mehr zu ändern und existiert nicht mehr. Wir können die Vergangenheit in unserem Denken zwar immer wieder neu beleben, doch das was wir beleben ist nicht wirklich die Vergangenheit, sondern nur eine Erinnerungsspur. Die Vergangenheit befindet sich nicht im Jetzt, so wie auch nicht das Morgen.

Du bist genau jetzt was Du bist, aber Du bist im Jetzt nicht Deine Vergangenheit. Wenn Du Dich von Deiner Vergangenheit einholen lässt, in Zorn, Wut, Groll, Beschuldigung, Urteil, Hass… und damit Dein Morgen bauen willst, indem Du bemüht darum bist Dich vor all dem zu schützen, dann verpasst Du das eigentliche Leben. Den Moment der wirklich zählt, der das Leben ist und damit auch Du. Genau Jetzt.

Was spielt es also für eine Rolle, was ich in der Vergangenheit erlebt, gesagt oder getan habe? Wieso soll ich das schlechte meiner Vergangenheit sein. Es wird immer Menschen geben, die mich vielleicht nicht mögen, die mit dem was ich zu dagen habe nichts anfangen können, die mich be- oder verurteilen. Doch das sind sie, nicht ich. Ich mag es sehr gern das Licht zu sein. Ich liebe das Leben mit all seinen wundervollen Dingen, die es für uns bereit hält. Ich lache unendlich gern und natürlich liebe ich es, wenn ich das mit anderen lieben Menschen teilen darf.

Deshalb gibt es die Schatten in mir genauso. Nur habe ich für mich selbst Wege gefunden damit umzugehen und ich bin noch lange nicht fertig damit zu lernen.

Begegnet mir ein in meinen Augen „böser“ Mensch, war ebenfalls nur eine subjektive Beurteilung ist, halte ich es für sinnvoller meiner Wut und meinem Zorn in einem Artikel oder einem Gedicht freien Lauf zu lassen. Für mein Denken besser, als mit dieser Person in den Krieg zu ziehen, denn so kann niemals etwas in Liebe entstehen.

Zu wachsen und zu lernen bedeutet doch nicht, dass man plötzlich ein erleuchteter Mensch ist, frei von Urteilen, Schwäche und Fehlern. Frei von Wut, Zorn, Groll, Traurigkeit und allem worum die Menschen so sehr bemüht sind es zu vermeiden und auch in den Kampf mit anderen gehen, um sich davor zu schützen.

Für mich geht es viel mehr um Transformation. Etwas vermeintlich negatives, eben auch Wut oder Zorn und Groll in etwas liebevolles und helles zu transformieren. So wie ich meine Vergangenheit verwandeln konnte, zu einem wundervollen Licht, mit Menschen um mich herum, die mich einst zutiefst verletzten und im Jetzt meine größten Sterne und liebsten Menschen sind, so urteilsfrei darf mit allem Geschehenen umgegangen werden.

Die Geschenke in oftmals hässlicher Verpackung auszupacken, dass ist nicht immer leicht. Wut darf da sein, Negativität darf da sein, alles was ist, darf da sein, denn nur wenn wir den Widerstand gegen das was ist aufgeben und es einfach annehmen, dann kann auch Verwandlung stattfinden. Was dann aus allem heraus entsteht, ist so großartig und wundervoll und genau das ist es, was uns leuchten lässt. In einem viel hellerem Licht, als wir uns vielleicht jemals zuvor bewusst waren…

 

Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere Dich auf den gegenwärtigen Moment.

Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich- sein ist der Weg.

Wenn Du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst Du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.

                                                        Buddha

 

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